allfacebook.de | Jetzt ist Facebook Mainstream: Aldi Süd hat eine Page eröffnet

ALDI

Wenn es in Deutschland einen Indikator dafür gibt, dass eine Technologie in der Gesellschaft angekommen ist, dann ist es sicher die Akzeptanz durch ALDI.

Der Discounter gilt noch immer als einer der konservativsten Konzerne auf dem deutschen Markt. Gerüchteweise werden auch heute noch die Bestellungen beim Großhändler per Fax abgewickelt und es gibt nur eine E-Mail Adresse pro Verkaufsgebiet. Um so mehr hat es uns verwundert, ALDI Süd nun auf Facebook zu finden.

Die Seite ist seit dem Jahrewechsel Online und hat in den letzten zwei Monaten knapp über 7000 Fans generiert. Dabei scheint es bisher keine Facebook Ads gegeben zu haben, zumindest haben wir noch keine gesehen. Auch der Fanverlauf lässt keinen Rückschluss auf Anzeigenkampagnen zu. Aufmerksam geworden sind wir auf die Page über das ALDI Print-Prospekt.

Was macht ALDI nun auf Facebook?

In erster Linie handelt es sich um eine rein auf Abverkauf konzentrierte Content-Strategie. So werden die neuen Angebote mit vier bis fünf Beiträgen pro Woche angeteasert. Die Verlinkung erfolgt dabei immer aus Facebook heraus auf die entsprechende Webseite.

Die Tabs zeigen fast ausschließlich Inhalte, die auch auf der ALDI Homepage gefunden werden können. Für uns ein weiterer Beweis, dass es derzeit schwer möglich ist einen sinnvollen Einsatz für Tabs zu finden.

Überraschend gut ist ALDI allerdings in der Kommunikation. Auf der Facebookseite ist es zwar nicht möglich private Nachrichten an ALDI zu senden, aber die Pinnwand steht allen Nutzern offen. Auf die dort abgesetzten Nachrichten antwortet ALDI zügig (meistens innerhalb von 2-3 Stunden) und professionell. Ein Großteil der Anfragen wird zwar auf den alternativen E-Mail Kanal umgeleitet, aber auch das zeugt von Professionalität. Ob die Seite von einer externen Agentur betreut wird, lässt sich leider nicht herausfinden. Zumindest die Tabs werden direkt vom Aldi-Süd Server ausgeliefert.

Alles in allem finden wir den Auftritt gelungen. Wir sind gespannt, wie die Seite mit ihrem ersten Shitstorm umgehen wird und wie sich das Service Level bei steigender Fanzahl verändern wird.

Es sei noch einmal erwähnt, nur ALDI Süd hat bisher den Sprung geschafft. Es gibt zwar auch eine ALDI Nord Seite, diese scheint aber nicht durch ALDI betrieben zu werden und dürfte mit Bilder von schimmelndem Obst und Gemüse eher der Marke schaden als helfen.

"Wenn es in Deutschland einen Indikator dafür gibt, dass eine Technologie in der Gesellschaft angekommen ist, dann ist es sicher die Akzeptanz durch ALDI."

Facebook: Gerüchte mit Fakten erschlagen – Nein, Facebook hat die Reichweite von Seiten nicht beschränkt um mehr hervorgehobene Beiträge zu verkaufen | Thomas Hutter's Social Media Blog | Facebook Marketing und Social Media

Facebook: Gerüchte mit Fakten erschlagen – Nein, Facebook hat die Reichweite von Seiten nicht beschränkt um mehr hervorgehobene Beiträge zu verkaufen

8. November 2012   Thomas Hutter   Ads / Werbeanzeigen, Facebook, Marketing, Orte / Places, Seiten / Pages   1 Kommentar

Street signs True False (Copyright by istockphoto.com)Die Gerüchte rund um den Edge Rank und die angebliche Reichweitendrosselung von Beiträgen von Facebook Seiten und die damit verbundene These, Facebook mache dies nur um das Produkt “Promoted Posts” besser verkaufen zu können, halten sich hartnäckig und bieten nach wie vor  vielen Seitenbetreibern  viel Gesprächsstoff. Josh Constine hat dazu einen überaus interessanten Artikel auf TechCrunch.com publiziert und nimmt dabei den überaus umstrittenen Beitrag von Dangerous Minds “Facebook: I want my Friends back” aufs Korn und widerlegt das Gerücht mit Zahlen.

Das Gerücht

Wie Josh Constine im Blogbeitrag beschreibt, begann das Gerücht mit einem Blogbeitrag auf Dangerous Minds, in welchem behauptet wird, dass Facebook die Reichweite von Beiträgen auf Seiten drosselt, bzw. der Verkehr, welcher von Beiträgen ab der Facebook Seite auf die Website herkommt, stark abgenommen hat. Gleichzeitig wurde die neue Funktion “Promoted Posts” von Facebook lanciert, mit welcher Seitenbetreiber ihre Beiträge durch vereinfache Ads Schaltungen verstärken konnten. Dangerous Minds kam entsprechend im Beitrag zur inkorrekten Konklusion, dass Facebook die Reichweite künstlich drosselt um das neue Produkt “Promoted Posts” besser verkaufen zu können. Wie häufig bei solchen Artikeln ist anschliessend die Newsseite Ars Technica auf das Gerücht aufgesprungen und hat zur Verbreitung der Gerüchte massgeblich zusätzlichen Antrieb geleistet.

Die Fakten

Josh Constine  wiederlegt im Artikel die wichtigisten Denkfehler in der Logik von Dangerous Minds. Dangerous Minds ging im Blogpost davon aus, dass ihre Facebook Seite vorher mit jedem Post 100% der Fans erreicht hatte. Diese Annahme ist grundsätzlich falsch, der Facebook Algorithmus (Edge Rank) hat bereits früher massiv in die Inhaltsdarstellung im Newsfeed eingegriffen um so rund zwei Dutzend aus hundert oder tausenden Inhalten darzustellen. Facebook nannte bereits im Februar 16% als die durchschnittliche Reichweite eines Seitenbeitrages. Grund für die genannten 16% durchschnittliche Reichweite sind verschiedene Umstände, beispielsweise weil nicht alle Nutzer zur Zeit der Publikation online sind, ein Beitrag kein Engagement, trotz Anzeige an die Fans, erhielt (Edge Rank Kritieren).

Was ist geschehen

Wo liegen die Gründe, dass Seiten wie Dangerous Minds und viele andere Rückgänge in der Reichweite hinnehmen mussten? Josh Consine sieht dafür zwei Gründe:

1. Wachstum von Facebook
Nicht nur Fanzahlen nehmen zu, sondern auch die Verbindungen bei den Nutzern. Während Nutzer früher und neue Nutzer eher mit weniger anderen Nutzern und Seiten verbunden waren, nahm die Anzahl der Verbindungen konstant zu, entsprechend erhöht sich die Zahl der konkurrenzierenden Beiträge im Newsfeed. Mit der gesamthaften Anzahl der Beiträge nimmt die Interaktion auf einzelnen Beiträge ab, was auf Grund des Edge Rank wiederum dazu führt, dass die Beiträge weniger häufig geschaltet werden.

2. Spam-Meldungen
Ein weiterer Aspekt bieten SPAM-Meldungen. Viele Seiten posten häufig und teilweise irrelevante Inhalte, Facebook bietet bei jedem Beitrag die Möglichkeit eine SPAM-Meldung vorzunehmen. Seiten mit vielen SPAM Meldungen werden in der Reichweite zurückgestuft, Facebook möchte verhindern, dass Benutzer mit SPAM bombardiert werden.

Facebooks Kampf gegen SPAM

Bei jedem Beitrag im Newsfeed steht dem Nutzer ein DropDown zur Verfügung, in welchem Beiträge unterdrückt oder als SPAM gemeldet werden können. Diese Einstellungen wurden im September von Facebook mehr hervorgehoben und vereinfacht, ein Nutzer kann heute einfacher SPAM melden, als dies früher war. Gleichzeitig hat Facebook eine Änderung im Edge Rank Algorithmus vorgenommen, welche sich negativ auf Seiten auswirkt, die häufig SPAM publizieren.  Will Cathcart, der Produktmanager des Newsfeeds bei Facebook sagte gegenüber Josh Constine “Wir machten eine relativ weitreichende Änderung im Newsfeed, welche SPAM-Meldungen von Nutzern stärker berücksichtigt. Dazu wurden SPAM-Reports verwendet um Seiten und Applikationen zu identifizieren, welche SPAM verursachen. Zusätzlich wurden Verschärfungen vorgenommen, welche Beiträge, die anderen Beiträgen ähneln, welche als SPAM gekennzeichnet wurden, zu schwächen.”

Vereinfachte SPAM Meldungen bei Beiträgen im Newsfeed

Vereinfachte SPAM Meldungen bei Beiträgen im Newsfeed

Die Zunahme der SPAM-Meldungen nach der Vereinfachung der Meldefunktion zeigt deutlich die Grafik von PageLever:

SPAM-Meldungen bei Beiträgen von Facebook Seiten (Quelle: TechCrunch.com)

SPAM-Meldungen bei Beiträgen von Facebook Seiten (Quelle: TechCrunch.com)

Die Beschneidung der Reichweite für spammende Seiten hat also nichts mit der Einführung von Promoted Posts zu tun, welche zum selben Zeitpunkt eingeführt werden. Promoted Posts ist allerdings auch kein neues Produkt von Facebook, die Möglichkeiten der Bewerbung von Beiträgen auf Seiten waren bereits vorher vorhanden. Mit der Einführung der Promoted Posts Funktionalität wurde nur gerade die Erstellung entsprechender Ad Kampagnen massiv vereinfacht, mussten doch vorher entsprechende Buchungen manuell in mehreren Schritten über den AdManager aufgegeben werden. Somit wurde der Grundstein für die Beschneidung zur Erreichung einer höheren Reichweite, wenn überhaupt, schon sehr viel früher gelegt, nicht aber mit dem Rückgang der Reichweite durch die Anpassungen am Edge Rank im September.

Auswirkungen visualisiert

Eine weitere Auswertung von PageLever zeigt, dass die tägliche Reichweite von Facebook Seiten sich nicht massgeblich verändert hat und somit die Aussage von Facebook soweit richtig ist. Einzelne Seiten haben dank der veränderten Edge Rank Kriterien sogar einen zusätzlichen Schub erhalten, da die Reichweite von qualitativ schlechter publizierender Seiten gekürzt wurde.

Daily Reach-per-Fan of Facebook Pages (Quelle: TechCrunch.com)

Daily Reach-per-Fan of Facebook Pages (Quelle: TechCrunch.com)

 

Der komplette und ausführlichere Artikel sowie die kontroversen Kommentare auf
TechCrunch.com “Killing Rumors With Facts: No, Facebook Didn’t Decrease Page Feed Reach To Sell More Promoted Posts

 

Anmerkungen

Hutter Consult GmbH verwaltet eine hohe Anzahl von Facebook Seiten von Unternehmen in unterschiedlichen Grössen. Wir sehen bei vielen Seiten keine signifikante Veränderung der Reichweite, bei einzelnen Seiten hat die Reichweite in den letzten Monaten abgenommen, bei anderen Seiten zugenommen. Eine generelle Abnahme konnten wir nicht feststellen. Bei Seiten mit rückläufiger Reichweite ist tatsächlich eine gesteigerte Anzahl von SPAM-Meldungen zu verzeichnen.

 

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Facebook: beschneidet Facebook die Sichtbarkeit von Beiträgen im Newsfeed?
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Autor: Thomas Hutter (849 Posts)

Thomas Hutter (36) ist Inhaber und Geschäftsführer der Hutter Consult GmbH. Er berät grosse und mittlere Unternehmen, Organisationen und Agenturen in der Schweiz, Deutschland, Österreich und Niederlanden rund um den strategischen und nachhaltigen Einsatz von digitaler Kommunikation und digitalem Marketing in und mit sozialen Netzwerken. Weitere Infos


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Eine Antwort zu «Facebook: Gerüchte mit Fakten erschlagen – Nein, Facebook hat die Reichweite von Seiten nicht beschränkt um mehr hervorgehobene Beiträge zu verkaufen»

  1. Klaus sagt:

    Hallo, nach meinem Gefühl wurde die Reichweite trotzdem massiv von FB selbst eingeschränkt um Promoted Posts zu verkaufen. Es gab Posts auf einer meiner Fansites, wo ich 1000 Likes hatte (im Dezember z.b.), die habe ich nie wieder erreicht und es ging alles zurück seit Januar/Februar. Und es ging merklich zurück! Ab dort wurde sicher der neue Algorithmus langsam eingeführt. Was FB intern macht wissen wir eh nicht, also kann ich nur aus meinen Erfahrungen sprechen und hier will ganz klar Geld verdient werden und wie sollten sonst Sponsored Posts interessant gemacht werden. Die Aktionäre wollen Kohle sehen.

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Mir ist auch nicht entgangen, dass einige Seitenbetreiber von einer Reichweitenbeschränkung sprechen. Natürlich macht man sich auch selbst im Rahmen meiner Arbeit Gedanken. Schöner Artikel von Thomas Hutter der auch mal die andere Seite der Medaille anschaut.

talkabout » Berufsbild Social Media Manager: Die potenziell spannendste Aufgabe, die man heute in der Kommunikation haben kann:

Im kommenden Jahr wird ein Social Media Buch erscheinen. Nun ja, sicher auch ganz viele. Aber es wird eines geben, dass das Berufsbild Social Media näher beleuchten will. In diesem Zusammenhang hat man mich darum gebeten, ein paar Interviewfragen zu beantworten, was ich gerne gemacht habe. Und eben diese will ich gerne hier teilen: Quasi als Vorgeschmack auf das Buch und auch, um eine Diskussion anzuregen. Welcher Verlag das ist, ist noch geheim. Aber ich finde das Projekt sehr sehr gut und wichtig, denn Professionalisierung im Bereich Social Media tut Not. Noch immer sind noch viel zu viele Irrglauben unterwegs.

Social Media Manager: Wie definieren Sie dieses neue Berufsbild?

Wer als Social Media Manager in Unternehmen tätig ist oder tätig sein will, muss noch auf Zeit sein Aufgabenfeld zwischen einer ganzen Reihe von alten und neuen Kommunikationsdisziplinen finden. Je nach Unternehmensgröße ist der Social Media Manager entweder nur „Manager“, also vor allem strategisch, konzeptionell oder koordinativ tätig, oder er ist dabei auch sehr viel operativ eingebunden, von der Redaktion und Content-Produktion über das Community Management bis hin zur Sprecher-Funktion. Dementsprechend dürften die Aufgabengebiete in der Praxis sehr unterschiedlich sein, je nachdem, ob man im Unternehmen ein „Einzelkämpfer“ ist oder ein Team hat. Aber so oder so: seine zentrale Aufgabe ich nicht das Operative! Das sind dann die „Social Media Redakteure“, „Content Manager“ oder „Community Manager“. Ich halte das für sehr wichtig, vor allem die Abgrenzung zum Community Manager. Und um die Verwirrung noch komplett zu machen, gibt es auch noch die Online-Marketing-Spezialisten, denen dann auch die Verantwortung für Social Media zugeschoben wird – zusammen mit den Adwords. Da erkennt man den unterschiedlichen Stellenwert.

Was konkret sind die Aufgabengebiete sowie die nötigen Eigenschaften und Fähigkeiten?

Wenn ich mir den Status der Integration von Social Media in Unternehmen anschaue, dann ist die Kernaufgabe eines Social Media Manager heute und die nächsten Jahre vor allem, „Social Media“ im Unternehmen einzuführen. Der Social Media Manager ist dann in erster Linie Berater, Vermittler und Koordinator. Er hilft einerseits den einzelnen Abteilungen im Unternehmen, „Social Media“ in ihre Strategien und operativ zu integrieren. Also Vertrieb, Marketing, Human Resources, Interne Kommunikation, Kundenbetreuung, interne Kommunikation, Pressearbeit usw. Und dann sorgt er dafür, dass diese Abteilungen zusammen einigermaßen homogen im Social Web auftreten und sich verhalten. Dabei muss er auch häufig vermitteln, weil es Kompetenzstreitigkeiten und Konflikte geben wird. Dafür braucht er vor allem eine gewissen Seniorität und viel diplomatisches Geschick. Fachlich muss ein Social Media Manager ein extrem breites Wissen mitbringen: Auf der einen Seite muss er die Bedürfnisse der Abteilungen verstehen, auf der anderen Seite muss er wissen, welche spezifischen Anforderungen durch „Social Media“ auf die Abteilungen zukommen. Hierzu gehören auch viele „neue“ Fähig- und Fertigkeiten wie Empathie und Konfliktmanagement aber auch ganz viel Kreativität und technisches Verständnis. Und zusätzlich muss er auf der Höhe der Zeit sein, was die diversen Social Media Tools und Plattformen angeht, die sich rasend schnell weiterentwickeln. Unter dem Strich ist das potenziell wohl die spannendste Aufgabe, die man heute in der Kommunikation haben kann.

Die PZOK bietet eine zertifizierte Ausbildung zum Social Media Manager an. Wie sehen Sie die derzeitigen Ausbildungsmöglichkeiten?

Genau genommen bietet die PZOK wohl keine Ausbildung an, sondern nur die Zertifizierung. Ich muss sagen, dass ich die Initiative der PZOK sehr begrüße. Sie dient der Professionalisierung der Branche. Ich kenne die Zertifizierung nicht im Detail. Aber dem Beirat gehören sehr fähige Persönlichkeiten an, und die Prüfungsbereiche sind gut gewählt. Ich denke also, dass die Prüfung für Qualität steht. Für richtig halte ich auch, dass die PZOK als Zulassungsvoraussetzungen einen Hochschulabschluss und mindestens zwei Jahre Berufserfahrung oder ohne Hochschulabschluss fünf Jahre Berufserfahrung verlangt. Wie oben schon gesagt: „Social Media Manager“ ist kein Job für Berufseinsteiger. Die Ausbildungsmöglichkeiten sind allerdings sehr überschaubar. Mit zu den besten dürfte die Social Media Akademie gehören, die haben den Trend als erster erkannt und bieten inzwischen eine Vielzahl wirklich guter Programme an, die wohl auch alle sehr gut als Basis für die PZOK-Zertifizierung geeignet sind. Ansonsten gibt es eine riesige Fülle von Seminaren und Fortbildungen, die aus meiner Perspektive nur begrenzt als Vorbereitung für die PZOK dienen. Und auch in Studiengängen findet „Social Media“ immer mehr Eingang, aber auch meistens eher operativ. Ich selbst bin ja sowohl an der Social Media Akademie sehr aktiv, als auch Lehrbeauftragter an der Fachhochschule für Medien und Kommunikation in München sowie Lehrgangsleiter an der Bayerischen Akademie für Werbung und Marketing. So habe ich einen gewissen Einblick. Ich will damit gar nicht die Qualität der einzelnen Veranstaltungen bewerten, aber wer viele Einzelkurse macht, dem geht das Gesamtbild verloren. Viele Programme sind auch eine reine Ansammlung von Einzelvorlesungen, denen der rote Faden fehlt. Mit anderen Worten: Wer sich hier gut ausbilden will, muss selbst Verantwortung übernehmen. Das ist allerdings nicht leicht. Umso besser, wenn es Leitfäden gibt, sei es auch nur in Form einer Prüfungsvoraussetzung.

Was halten Sie von der Akademisierung der Ausbildung im Bereich Social Media?

Insgesamt werte ich den Trend zur Akademisierung positiv. Allerdings sind die meisten Hochschulen auch nicht besonders weit, das ganze Thema ist noch sehr am Anfang. Aus meiner Sicht haben die Hochschulen da ein gewisses Problem: Junge Menschen mit 18 bis 22 Jahren fehlt oft einfach die Erfahrung, die es für einen Social Media Manager braucht. Da kann man ein paar Grundlagen vermitteln, aber es wird noch viel Berufserfahrung und Fortbildung nötig sein. Und ich sehe gleichzeitig noch eine lange Wegstrecke, bis die Hochschulqualifizierung bei Social Media Managern den Standard darstellt. In der Praxis übernehmen das heute doch eher die Menschen, die entweder eine hohe Kompetenz in Kommunikation haben aber sich erst in Social Media einarbeiten müssen. Für die braucht es mehr Weiterbildungsmöglichkeiten. Oder es sind „Digital Natives“, die zwar Facebook & Co. beherrschen, aber kein wirkliches Verständnis haben, was das für und in Unternehmen bedeutet. Die brauchen dann einfach Zeit. Aktuell gibt nur ganz wenige Professionals, die wirklich beides verstehen. Die Akademisierung trägt sicherlich zu einer besseren Struktur der Ausbildung bei, aber auf der anderen Seite spielt „Praxis“ in keiner anderen Kommunikationsdisziplin eine so große Rolle wie bei Social Media.  

Ist Social-Media wirklich ein eigenes Berufsfeld – oder eher ein Werkzeug oder ein weiterer Kommunikationskanal innerhalb anderer Berufsfelder, beispielsweise in den PR oder im Journalismus?

Social Media ist sicherlich auch ein „Kommunikationskanal“ und ein „Werkzeug“. Und auch ein Journalist, ein PR-Mensch, ein Direkt-Marketer usw. muss diese Kanäle zumindest mittelfristig kennen und beherrschen – so wie er auch E-Mail und Telefon beherrscht. Insofern könnte man meinen, es sei kein eigenes Berufsfeld. Ich finde es ehrlich gesagt sehr schade, wenn viele Menschen „Social Media“ so – und durchaus etwas abfällig – betrachten. Ich beobachte, dass der Social Media Manager in der Hierarchie noch deutlich unter dem „Presse-Fuzzi“ steht. Die PR hat sich in den vergangenen Jahren sehr viel Respekt erarbeitet, in einigen Unternehmen gehört sie zur Königsdisziplin der Kommunikation. Und Social Media steht heute da, wo die PR vor 30 Jahren stand. Das zeigt aber auch, dass die meisten Unternehmen „Social Media“ noch nicht verstanden haben. Tatsächlich ist „Social Media“ viel mehr als ein Kommunikationskanal. Denn „Social Media“ ist eben auch ein gesellschaftliches Phänomen. Es verändert die Menschen – und das grundlegend. Und es verändert Nachrichtenströme. Es verändert die Art, wie Medien generell funktionieren. Ich will nicht sagen, „Social Media“ verändert „alles“, das wäre übertrieben, aber die Folgen von Social Media betreffen über kurz oder lang so gut wie jeden Aspekt in einem Unternehmen. Social Media ist im Grunde eine neue Kulturtechnik, und bei der strategischen wie operativen Komplexität dieser neuen Kulturtechnik treten in der Praxis enorme Probleme auf. Und damit umzugehen ist eben Aufgabe der Social Media Managers – als eigenes Berufsbild.

Ein Ausblick in die Zukunft der Social-Media-Welt in 5 Jahren: Was wünschen Sie sich von Firmen, Ausbildungsinstituten und vom Nachwuchs?

Vor allem wünsche ich mir ein Fallen der „Silos“. Das Trennen in die verschiedenen Disziplinen macht einfach keinen Sinn  mehr – und das Verteidigen von Positionen noch viel weniger. Heute ist jede öffentliche Kommunikation auch Öffentlichkeitsarbeit. Und guter Service ist Marketing. Dazu hilft ein gutes Marketing beim Employer Branding und und und. Kommunikations-Professionals müssen viel mehr Teamarbeit lernen und  Empathie – nicht nur für den Kunden sondern auch für den Kollegen. Sie müssen lernen, die Perspektive des anderen zu sehen und sich selbst nicht so ernst zu nehmen. Ich selbst weiß nicht, wie der Weg dahin aussieht. Bei den oft starren Strukturen in Unternehmen scheint das teilweise unmöglich. Aber da muss es hingehen. Und das gelingt nur, wenn sich alle Beteiligten klar darüber sind, dass sich etwas ändern muss. Und dafür braucht es vor allem auch eine Änderung in der „Bewertung“, eine Änderung in den „Werten“. Ich denke, dass „social“, also „gemeinsam“ die Zukunft ist – und das gilt in jeder Beziehung. In der Beziehung der Abteilungen im Unternehmen untereinander, aber auch in der Beziehung zwischen den Unternehmen und seinen Stakeholdern. Wenn die Unternehmen mal so weit sind, dann braucht es wahrscheinlich keine Social Media Manager. Aber die nächsten 500 Jahre oder so ist da keine Gefahr J

Was sehen Sie als größten Vorteil von Social Media für Unternehmen?

Ich halte die Frage für falsch gestellt. Das klingt so, also ob die Unternehmen eine Wahl hätten. Sie haben aber keine Wahl. Social Media betrifft sie. Es ist komplett naiv zu denken, man könne sich entscheiden, ob man „Social Media macht“ oder nicht. Social Media findet statt. Und es betrifft sie. Direkt oder indirekt. Und Unternehmen können sich entscheiden, ob sie über Social Media Einfluss auf die Menschen gewinnen wollen, oder ob sie eben komplett „die Kontrolle verlieren“ wollen. Das klingt nach einer Plattitüde, es ist aber so. Überlegen Sie sich doch mal, wie die Frage vor 20 Jahren ausgesehen hätte: „Was sehen Sie als größten Vorteil von E-Mail für Unternehmen“ – und wie sie aus heutiger Perspektive anmutet. Natürlich hätte man vor 20 Jahren viele „Gründe“ oder Vorteile finden können. Aber aus heutiger Sicht stellt sich die Frage gar nicht mehr. E-Mail ist aus der heutigen Geschäftswelt nicht mehr wegzudenken. Es ist eine schlichte Notwendigkeit – kein „Vorteil“. Und so wird es auch mit Social Media in 10 Jahren sein. Und vieles ist heute vielleicht nicht einmal ein „Vorteil“, weil jedem Vorteil auch ein Nachteil gegenübersteht. Wer anfängt, sich im Social Web zu bewegen, wird mit Problemen konfrontiert werden, die er vorher nicht hatte. Oder genauer: Nicht gesehen hat. Deswegen kann man eigentlich auch nicht pauschal sagen, was denn die „Vorteile“ sind. Unter dem Strich kommt aber kein Unternehmen drum herum. Wie heißt es so schön: „Den Weisen führt das Schicksal, den Dummen zerrt es dorthin“. Und wenn mich konkret ein Unternehmen die Frage nach den Vorteilen fragt, dann gebe ich den Rat, es einfach anzugehen und langsam zu lernen. Heute geht das noch.

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E-Mail ist aus der heutigen Geschäftswelt nicht mehr wegzudenken. Es ist eine schlichte Notwendigkeit – kein „Vorteil“. Und so wird es auch mit Social Media in 10 Jahren sein.

Facebook: Der Edge Rank und die fehlende Reichweite, sprechen wir Tacheles | Thomas Hutter's Social Media Blog | Facebook Marketing und Social Media

Facebook ist ein hervorragendes Instrument für die Kommunikation, für den Kundendienst, für die Produkteentwicklung und  für Marketing und Werbung. Betreiber von Facebook Seiten sollten sich langsam aber sicher im Klaren sein, dass wenn sie Facebook für professionelle und kommerzielle Absichten nutzen wollen, nicht nur Geld für Inhalte, kreative Gewinnspiele und Beratung ausgeben sollten, sondern auch entsprechende Budget für Werbeanzeigen einsetzen müssen.

Schöner Beitrag von Thomas Hutter. Zum einen wird hier nochmal die Funktionsweise und Notwenigkeit vom Edgrank anhand von schönen Beispielen erklärt und zum anderen gibt es Tipps zur Nutzung von Facebook Ads.